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InArbeit
kopiert aus LebensTheorie...
Die MusterMethode von ChristopherAlexander sollte eigentlich besser als eine Entfaltungstheorie oder - noch besser - als LebensTheorie verstanden werden.
Thomas:
Bei meinem aktuellen Kenntnissstand schlage ich eher vor, beides separat zu betrachten.
=== nichtmechanistische Weltsicht ===
Alexander kommt bei seiner Auseinandersetzung mit der Architektur zu einer neuen, alternativen Sicht der Welt. Er entwickelt eine Alternative zur Descartes'schen Methode, die die Welt durch mechanistische Modelle verstehen will. Alexander sieht den Raum als einen Entfaltungsort des Lebens und "Grade der Lebendigkeit" in allen Dingen. Descartes sagt: "versuchen wir die Welt als Maschine zu verstehen". Alexander sagt: "versuchen wir die Welt als Entfaltungsort des Lebens zu verstehen". Schönheit ist für Alexander keine Geschmacksfrage, sondern - richtig verstanden - etwas objektivierbares, von Menschen geteiltes, etwas gemeinsames. Schönheit und Funktionalität erscheinen nicht als getrennte Systemeigenschaften, sondern als Perspektiven des Lebendigseins. Dieses Lebendigsein ist nicht rein biologisch zu verstehen, sondern beginnt schon viel früher, in der geometrischen Struktur von Objekten. Alles besitzt einen abgestuften und vergleichbaren, objektiv beurteilbaren, Grad von Lebendigkeit. Die wilde Blumenwiese ist lebendiger als ein Blumenbeet, weil sie eine höhere Dichte und Vielfalt von Zentren aufweist, die sich gegenseitig in ihrer Entfaltung helfen und verstärken. Wir empfinden das intuitiv, obwohl wir vielleicht eine Ästhetik lernen, die uns das Gegenteil aussprechen lässt. Die Altstadt von Venedig "besitzt mehr Leben" als eine moderne Großstadt-City, weil sie aus einem lebendigen Prozess über Jahrhundert entstanden ist, und Menschen empfinden das, indem sie sich in Venedig ganzheitlicher und wohler fühlen. Das Menschsein hängt eng mit seiner Umgebung und damit mit der Architektur zusammen. [dies muss jedoch auch für alle anderen Umgebungen und Dinge, die uns umgeben, gelten. Damit wird Alexanders Theorie universell]
Thomas:
Als wesentlichen zu überwindenden Teil sieht CA dabei die durch eine "wissenschaftliche Weltsicht" erfolgende Aufteilung der Welt in Systeme.
<zitat>
There are thus two worlds in our minds. One is the scientific world which has been pictured through a highly complex system of mechanisms. The other is the world we actually experience. These two worlds, so far, have not been connected in a meaningfull fashion.
--TNOO4 pg 13
</zitat>
"Wie kann die Wahrnehmung des Ganzen in der theoretischen Betrachtung erhalten bleiben" ist wohl seine Grundfrage.
<zitat>
The ultra-mechanist cosmology we have taken in with our 20th-century mother's milk therefore cuts across our experience constantly. It forces us to dismiss, treat lightly, all those precious feelings we have, of meaning in the world, of something wonderful ... an replaces it by a dull, gray , matter-of-factness which is not matter-of-fact at all, but was invented by Descartes and others of his time, and is now merely mouthed by us because we do not know of an alternative.
--TNOO4 pg 21
</zitat>
=== Optionale spirituelle Komponente ===
Alexanders Denken ist spirituell, aber nicht metaphysisch und auch nicht konfessionell-religiös. Er besitzt einen tiefen empirischen Zugang zur Welt, nichts ist nur gedankliche Konstruktion. Er hat sich fast sein ganzes Leben als Theoretiker und Praktiker mit diesen Fragen beschäftigt und sie in einem Dutzend Büchern, aber vor allem in seinem Lebenswerk TheNatureOfOrder auf über 2000 Seiten akribisch beschrieben und mit unzähligen Fotos Bildern belegt. Diese vier Bände sind ein Gesamtkunstwerk für sich. Man kann sehen, dass sein Denken in seiner Kunst und Architektur funktioniert. Alexander beobachtet und beschreibt wie "Raum zum Leben erwacht" und nennt diesen Raum, in Ermangelung eines religiösen Begriffs in seine Band 4 von TheNatureOfOrder, auch "ground" oder luminous ground. Man könnte es so interpretieren: Leben findet nicht im Raum statt, sondern der Raum selbst gebiert das Leben - eine christliche Interpretation könnte sein "der Raum ist der Körper Gottes, der sich hingibt das Leben zu tragen". Gott ist nicht hier oder dort oder allgegenwärtig im Raum, sondern Gott ist der Raum. Vermutlich könnte man auf dieser Basis auch eine moderne pantheistische Interpretation finden oder eine Brücke zu TeilhardDeChardin? schlagen, der ebenfalls versucht hat, die Kluft zwischen Wissenschaft und Religion zu schließen.
: FranzNahrada : Der Gedanke ist sehr alt, unzählige Hinweise finden sich bei Arnold Kayserling: "Bei Scotus Eriugena läßt sich Gott als Ursprung des Alls nicht definieren, sondern nur über das Nichts begreifen. In diesem Nichts bricht die dunkle Unruhe des Schöpfungswillens auf, durch die Schöpfung macht sich Gott zu einem Etwas, dem Ungeschaffen Schaffenden."
: derselbe:"Ursprung der Welt ist Wakhan, das Große All, die Urmutter der Welt, der alles entstammt, dargestellt als leerer Kreis. Wakhan erzeugt ununterbrochen Skwan, den Urvater, die Heilige Schöpfung, als Spirale dargestellt, für uns kosmologisch die Milchstraße."
=== Systemanalytisch und empirisch ===
Alexander analysiert die Strukturen in Architektur und Kunst und findet dafür eine systemanalytische Sprache und Methode. Seine Grundelemente nennt er Zentren (centers) die er der Ganzheit(wholeness) gegenüberstellt.
Ein "Zentrum" ist sowas wie ein geometrischer Punkt. Alles, wovon man konkret sprechen kann, ist ein Zentrum.
Er findet 15 Eigenschaften lebendiger Systeme, die sich immer wieder finden:
[[Tabelle][Trennzeichen=|][Titelhintergrund=hellgelb]
Originalbegriff | Übersetzung | Nichtgeometrische Übertragung
LEVELS OF SCALE | Abstufung von Größen | Proportion
STRONG CENTERS | Starke Zentren | Strukturiertheit
BOUNDARIES | Grenzen | Abgrenzung
ALTERNATING REPETITION | Abwechsende Wiederholung | Wiederholung und Resonanz
POSITIVE SPACE | Positiver Raum | Komplementarität
GOOD SHAPE | Formschönheit | Anpassung und Harmonie
LOCAL SYMMETRIES | Lokale Symmetrien | Symmetrie
DEEP INTERLOCK AND AMBIGUITY | ambivalente Verschränkung | Ambivalenz
CONTRAST | Kontrast | Polarität
GRADIENTS | Gradienten | Weiche Übergänge
ROUGHNESS | Rauhigkeit | Individualität
ECHOES | Echoes | Ähnlichkeit
THE VOID | Die Leere | Freiraum und Freiheit
SIMPLICITY AND INNER CALM | Einfachheit und Innere Ruhe | Einfachheit und Klarheit
NON-SEPARATENESS | Nicht-Getrenntheit | Ganzheitlichkeit
]
Durch diese Eigenschaften helfen Zentren sich gegenseitig und verstärken dadurch wechselseitig in ihrer Lebendigkeit. Lebendige Systeme prägen aber auch, je nach Situation und Bedürfnissen, typische Muster (patterns) aus, die sich empirisch sammeln und (bio-)kybernetisch [im Sinne von FrederickVester?] verstehen und formalisiert (PatternFormular ) darstellen lassen. Dabei entstehen anwendungsbezogene PatternSprachen. Diese Pattern werden in geordneten Prozessen (sozusagen in einer optimalen Abfolge) angeordnet um Systeme aufzubauen. Hier trifft man wieder sehr systemanalytische Vorgehensweisen.
Thomas:
Dem möchte ich wiedersprechen. Vielleicht gibt es in anderen Werken von CA Verbindungen zur Systemanalyse. In TNOO jedoch geht es gerade darum nicht. Die oben großgeschriebenen Eigenschaften sind geometrische Eigenschaften von Strukturen. Anhand dieser geometrischen Eigenschaften läßt sich die Lebendigkeit der Strukturen verstehen.
Die Planung innerhalb dieser Weltsicht geht gerade nicht systemanalytisch vor.
Der Mensch entscheidet eher an Ort und Stelle durch seine Wahrnehmung für das Ganze, welche Lösung unter verschiedenen Versuchen zu einem Problem passt.
=== Beispiel der Relevanz ===
Was hat das mit Wikis oder Online-Communities zu tun? Sehr viel, denn es gibt unendlich viele Bewertungs- und Entscheidungsprobleme, die von einem solchen Standpunkt beeinflusst werden:
* Z. B. im großen dadurch, wie man sich selbst versteht: z. B. als allmächtiger Architekt eines Systems der "weiß was gut für die Benutzer ist", oder als hegender Gärtner der "Dinge wachsen lässt und ihrer Entfaltung unterstützt".
* Im Detail etwa zum Umgang mit dem Begriff der Grenze (BOUNDARY): sieht man eine Grenze als etwas gewaltsames, künstliches oder als etwas, das zum Leben gehört, ein Zentrum verstärkt, Lebensraum für neue Machnismen und Prozesse ist.
** Wenn man etwa den Konflikt FreieSoftware und OpenSource betrachtet, so ergibt sich aus der Sichtweise Alexanders ein sehr natürliches Verhältnis einer im Zentrum stehenden "reinen Lehre" von FreieSoftware und einer breiten, unscharfen Randzone von OpenSource , die zwar die Prinzipien abschwächt, aber wirtschaftlichen Lebensraum und Phantasie für Personen und Firmen bietet, und so das Zentum betont und verstärkt.
=== Ein unterstützendes Zitat ===
"Naturwissenschafter interessierten sich früher nicht für Fragen wie Kinder sie stellen. Warum sehen Bäume so und nicht anders aus, warum erscheinen die Wolken wie Lämmer und Enten, warum ist die Welt nicht wie ein Geometriebuch? Richtiger gesagt, diese Fragen waren den Naturwissenschaftern nicht gleichgültig, vielmehr wussten sie dass sie sie nicht beantworten konnten. Die Gleichungen für die Welt seien ja bekannt - man müsse sie nur auf Erscheinungen wie Wolken und Abendnebel anwenden - aber die alltäglichen Dinge seien derart kompliziert, dass es sich nicht lohnen könne, sie nachzurechnen, dachten die Naturwissenschaftler in Stillschweigender Übereinkunft - und überließen es Eltern und Lehrern, den neugierigen Sprösslingen den Mund zu stopfen" Tor Norretranders, Spüre die Welt, p. 114 (FranzNahrada )
"Als überall aus den Computerbildschirmen Komplexität auftauchte, schauten die Forscher aus dem Fenster und sahen etwas das sie wiedererkannten" ebenda, p.116
Terminologisch meint Norretranders das mit Komplexität, was bei Alexander "Ordnung" heißt.
Hallo Franz, Danke für die Zitatspende. Bis du schon in anderen Verhältnissen und wieder ans Netz angeschlossen? -- HelmutLeitner 24. Januar 2008 17:53 CET P.S. Kannst mir Daumen halten, in einer Stunde gehe ich weg zur ersten öffentlichen Präsentation meines Buches Mustertheorie.
OrdnerLebensTheorie? OrdnerTheorien
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Siehe MusterTheorie.
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