Software Als Lebensform
 
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Die Assoziation von Software und Lebensprozessen liegt irgendwie in der Luft. Nicht wegen der ComputerViren?, die regelmäßig ihre Schlagzeilen in den Medien bekommen - das ist ein viel zu platter Vergleich.


In vielen Dingen ähnelt Software einer Lebensform:

Dabei erscheint das FeedBack, d. h.:

als Sinneswahrnehmung, die es dem Subsystem (Software + Entwickler) erlaubt, sich an die Umgebung (Hardware + Anwender) anzupassen. Je besser und schneller das FeedBack, umso leichter der Anpassungsprozess.

"Sinne" des Softwareprozesses (grobe Analogie):


Was kann man bei solchen Gedankengängen gewinnen:


Beispiele für Anwendungsgedanken:


Ich finde, man sollte bei solchen Vergleichen wie "SoftwareAlsLebensform" ein wenig vorsichtig sein. Es sind große Worte für einen winzigen Ausschnitt weltlicher Möglichkeiten. Ich bevorzuge in diesem Zusammenhang einen medialen Zugang zum Softwareproblem. D. h., Software ist für mich in erster Linie ein Kommunikationsmedium (SoftwareAlsKommunikationsmedium) und wir sprechen nicht umsonst von Programmiersprachen.

Interessant ist vielleicht dabei, das im Kommunikationsprozeß selbst ein Transformationsprozess stattfindet; das Subjekt (der Programmierer) wird durch Objekte (Maschinen) ersetzt, die mittels Software interagieren. Wenn man nun unterstellt,daß Leben wesentlich durch Interaktion bestimmt ist, könnte man unter bestimmten Voraussetzungen zumindest von künstlichem Leben sprechen. Das bezeichnet aber noch keine Lebensform, denn Lebensformen sind m.E. komplexe Interaktionsmuster, die bestimmte wiederum medial vemittelte Zustände erzeugen. Die Geschichte wird noch schwieriger, wenn nun die Frage auftaucht, welche Voraussetzungen weiter gegeben sein müssen, um in Interaktionsräumen von Leben sprechen zu können. Im übrigen spreche ich hier ein sehr altes Problem der AI an. Daß in und zwischen Maschinen Teile miteinander durch Software medial vermittelt interagieren und bestimmte Zustände (bei guten Programmen sogar vorhersehbare) erzeugen würde ich nicht als Lebenszeichen werten.

Außerdem würde ich den Titel dieser Seite einmal einer begrifflichen Prüfung unterziehen.Ich hab keine Ahnung, was das heißen soll, aber wie man sieht kann man auch darüber ellenlang schreiben. Vielleicht ist damit "Programmieren als Lebensform" gemeint, denn darunter kann ich mir was vorstellen.

Hmmm... Also ich denke, dass der Titel so schon passt: gemeint ist nicht "Programmieren als (eine) Lebensform", mit dem Schwerpunkt auf der Lebensführung des Programmierers, sondern in der Tat die Frage in wie weit es Sinn macht (bzw. berechtigt ist) im Zusammenhang mit komplexen Softwaresystemen auch von "Leben" zu sprechen...


Mich würde interessieren, wie das ganz oben Gesagte mit der GaiaHypothese von JamesLovelock zusammenpasst; könnte mir gut vorstellen, dass es da viele "Überschneidungen" gibt.


Ich habe bei meinen gestrigen Bemerkungen nicht James Lovelock im Hinterkopf gehabt, sondern Leute wie den Biologen und Erkenntnistheoretiker Humberto.R.Maturana mit seinem Konzept der Autopoiese oder den Logiker Gotthard Günther mit seinen Überlegungen zu Transklassischen Maschinentheorie und Fragen zur Selbstabbildung logischer Muster.

Maturana entwirft eine Theorie der lebendigen Organisation, die sich im wesentlichen mit Systemen als individuelle autonome Einheiten beschäftigt. In seinem Konzept der Autopoiesis definiert er lebende Systeme etwas abstrakt als Einheit dynamischer Systeme, die durch Relationen bestimmt wird, welche es als Netzwerk von Prozessen der Produktion von Bestandteilen konstituieren. D. h., diese Bestandteile wirken durch ihre Interaktionen innerhalb des Netzwerkes rekursiv an der Erzeugung und Vergegenständlichung eben genau jenes Netzwerkes aus Prozessen der Produktion von Bestandteilen mit, das sie selbst erzeugte. Gleichzeitig wird damit auch die Grenze als Einheit in dem Raum aufgebaut indem es existiert (Homöostatisches System). Er beschreibt weiters autopoietische Systeme als zustandsdeterminierte zusammengesetzte dynamische Einheiten. Vorausetzung für die Verwirklichung solcher Systeme ist die Existenz eines Mediums in dem interagiert werden kann und in dem ein Beobachter sie in Ihren Austauschprozessen wahrnehmen kann. Das eröffnet natürlich eine Menge Fragen und es gibt dazu bereits eine Fülle von Anschlussdiskussionen.

Eine Kernfrage dieser Theorie ist das Problem der Selbstabbildung und das Entstehen varianter Interaktionen und Strukturen bei gleichzeitiger Invarianz der Organisation. Das führt zu Überlegungen über Plastizität und struktureller Kopplung eines autopoietischen Systems mit dem Medium, das durch diese Kopplung Zustandsveränderungen an das System weitergibt und so zu Zustandsveränderungen des Systems beiträgt, ohne die Einheit des Systems zu beeinflussen. Damit wird vieleicht auch meine Überlegung deutlicher, warum es lohnenswert wäre Software und Programmiersprachen unter dem Medienaspekt zu betrachten. (pn)


Siehe auch: WardsWiki:SystemsAsLivingThings | WardsWiki:EvolvingSystems
KategoriePhilosophie
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